Wodurch fühlen sich Menschen miteinander verbunden?

Im Rahmen des Projekts „Nähe über Distanz“ beschäftigen wir uns als VEREINT-Team damit, wie Menschen an entfernten Orten zusammengebracht werden können. Heute beleuchten wir etwas genauer, was Verbundenheit eigentlich ist.

In der heutigen Zeit ist es einfach, mit Personen aus der ganzen Welt in Kontakt zu treten. Dank der technischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte werden so etwa auf dem Weg zur Arbeit noch schnell Geburtstagsgrüße versendet oder sich zu Video-Calls mit Verwandten am anderen Ende der Erde verabredet. Es kann also leicht eine Form von Kommunikation hergestellt werden – doch um das Gefühl von Verbundenheit zu erleben reichen gängige Technologien nicht unbedingt aus. Um dem auf den Grund zu gehen stellt sich zunächst die Frage: was genau ist eigentlich Verbundenheit?

Verbundenheit ist ein menschliches Bedürfnis

Im Duden findet sich die folgende Definition für Verbundenheit: „Zusammengehörigkeit mit jemandem, miteinander“ [1]. In der psychologischen Forschung wird der Begriff als Erfahrung von engen Beziehungen, die auf fürsorglicher und beidseitiger Unterstützung beruhen, aufgefasst [2]. Außerdem wird Verbundenheit als eines der seelischen Grundbedürfnisse eingeordnet und ist somit wichtig für das Wohlbefinden [3]. Um eine bessere Vorstellung des Bedürfnisses nach Verbundenheit zu erhalten, haben wir im Rahmen von Fokusgruppen-Interviews Personen befragt, wodurch sie sich im Alltag zu Menschen in ihrem persönlichen Umfeld verbunden fühlen. Dabei zeigte sich, dass es je nach Bezugsperson unterschiedliche Bedürfnisse nach Kontakt geben kann, um dieses Gefühl herzustellen.

 

Je nach Beziehung drückt sich Verbundenheit ganz unterschiedlich aus

Für Paare ist besonders die körperliche Nähe ein wichtiger Aspekt um sich verbunden zu fühlen. Darüber hinaus wird die Anwesenheit der Beziehungsperson als Möglichkeit geschätzt, um sich direkt austauschen zu können, wenn einen etwas beschäftigt. Befreundete Personen gaben an, dass sie sich verbunden fühlen, wenn sie sich sehen und einer Aktivität nachgehen, wie sich z.B. auf einen zu Kaffee treffen. Dabei steht vor allem der Austausch über das alltägliche Leben im Vordergrund, gemeinsam zu lachen und Erinnerungen zu schaffen. Für Familienmitglieder spielen besonders geteilte tägliche Rituale wie etwa das Kochen und Essen eine wichtige Rolle. Gemeinsam durchgeführte Alltagsbeschäftigungen schaffen dabei Verbundenheit sowie Gespräche über Interessen und ebenfalls miteinander zu lachen. Für Menschen, die zusammen arbeiten wird Verbundenheit hergestellt, indem sich auch über Privates wie beispielsweise gemeinsame Interesse ausgetauscht wird und man sich auf persönlicher Ebene kennenlernt. Besonders die Spontanität, die durch den direkten Kontakt ermöglicht wird, schafft dabei Verbundenheit. Es können unmittelbar Fragen gestellt und Probleme zusammen gelöst werden. Bereits die Tatsache, dass eine andere Person im Büro neben einem sitzt und ihrer Arbeit nachgeht, vermittelt den Eindruck nicht alleine, sondern gemeinsam da zu sein.

 

Kleine Erlebnisse machen den Unterschied

Insgesamt sind es für die Befragten nicht unbedingt große und einschneidende Erlebnisse, sondern die kleinen Dinge im Alltag, durch die sie sich mit anderen verbunden fühlen. Darüber hinaus sind die Bedürfnisse nach Kontakt sehr individuell und es variiert, wodurch man sich verbunden fühlt. So etwa kann bei manchen Beziehungen die bloße Anwesenheit einer Person ausreichen oder aber man möchte bewusst miteinander interagieren und gemeinsam Aktivitäten nachgehen. Auf die Frage, wodurch sich Menschen miteinander verbunden fühlen, gibt es also keine einfache und allgemeingültige Antwort. Es ist wichtig, für einander da zu sein und das kann für jeden Menschen und in jeder Beziehung anders aussehen.


[1] Duden, https://www.duden.de/rechtschreibung/Verbundenheit, abgerufen am 28.09.2023

[2] Niemiec, C.P., Soenens, B., Vansteenkiste, M. (2014). Is Relatedness Enough? On the Importance of Need Support in Different Types of Social Experiences. In: Weinstein, N. (eds) Human Motivation and Interpersonal Relationships. Springer, Dordrecht. https://doi.org/10.1007/978-94-017-8542-6_4

[3] Baumeister, R., & Leary, M. R. (1995). The need to belong: Desire for interpersonal attachments as a fundamental human motivation. Psychological Bulletin, 117, 497-529. https://doi.org/10.4324/9780367198459-REPRW57-1