Queue Player: Verbundenheit im musikalischen Alltag

Viele Menschen verbinden Musik mit Erinnerungen: ein Song aus der Schulzeit, ein Lied aus einem Urlaub oder Musik, die man früher gemeinsam mit Freund*innen gehört hat. Musik begleitet besondere Momente  und oft auch Beziehungen. Heute hören wir Songs meist allein über Streamingdienste, während Freund*innen oder Familie oft weit entfernt leben. Das Forschungsprojekt „Queue Player“ stellt deshalb eine spannende Frage:Kann gemeinsames Musikhören über Distanz so gestaltet werden, dass es sich sozial, nah und bedeutungsvoll anfühlt, ohne ständiges Chatten oder komplizierte Abstimmungen?
Dafür entwickelten die Forschenden ein besonderes Gerät, das mehrere Haushalte musikalisch miteinander verknüpft und gemeinsames Hören neu denkt.

 

Alle Bilderquellen: Samann Pinder, William Odom, Minyoung Yoo, Ayush Misra, Henry Lin, Carman Neustaedter- Queue Player

 

Was ist die Idee?

Die Idee hinter „Queue Player“ ist, gemeinsames Musikhören über Distanz neu zu gestalten, nicht als Live-Session mit perfekter Synchronisation, sondern als geteilten Musikfluss über Zeit. Statt sich aktiv Songs zu schicken oder gleichzeitig auf „Play“ zu drücken, verbindet das Gerät die Playlists mehrerer Personen. Alles, was jemand hört, fließt nach und nach in eine gemeinsame Warteschlange, eine sogenannte „Queue“. Diese wird automatisch auch bei den anderen abgespielt. So entsteht ein musikalischer Austausch, der nebenbei passiert. Man hört plötzlich einen Song, den die andere Person vor kurzem gehört hat. Vielleicht erkennt man ihren Geschmack, entdeckt Neues oder fragt später nach: „Warum hast du dieses Lied gehört?“

 

Wie funktioniert das?

Technisch basiert der „Queue Player“ auf einem einfachen Prinzip: Er verbindet mehrere Musik-Streaming-Konten über das Internet miteinander. Jede beteiligte Person hat ein eigenes Gerät zu Hause. Dieses Gerät ist mit dem persönlichen Streamingdienst (z. B. Spotify) verknüpft. Sobald jemand Musik hört, speichert das System automatisch, welche Songs abgespielt wurden. Diese gehörten Songs werden nicht live übertragen, sondern in eine gemeinsame Warteschlange (Queue) eingefügt. Diese Warteschlange wird auf alle verbundenen Geräte verteilt. Die Songs laufen dort zeitversetzt weiter, eingebettet in den eigenen Musikfluss. Das bedeutet, es gibt keine Live-Synchronisation, niemand muss gleichzeitig online sein und die Musik wird automatisch im Hintergrund geteilt.

 

Wie sieht das Gerät aus?

Der Queue Player ist ein zylindrisches Musikgerät, das gleichzeitig auch als Lichtobjekt gestaltet ist. Im Inneren arbeitet ein kleiner Computer (ein Raspberry Pi), der die Musik abspielt und mit den anderen Geräten kommuniziert. Auf der Oberseite können Nutzer*innen ein Tempo durch Tippen eingeben. LED-Lichter zeigen anschließend an, welche Songs in der Warteschlange stehen und von welcher Person sie stammen. Weitere kleine Lichter zeigen außerdem, wenn andere gerade ebenfalls zuhören.

 

Queue Player im Überblick (von links nach rechts): Song-Queue, Tap-Bedienung und farbige Anzeigeleuchten

 

Warum fanden die Erfinder*innen das so spannend?

Der „Queue Player“ zeigt, dass gemeinsames Musikhören auch zeitversetzt und beiläufig funktionieren kann. Man muss sich nicht verabreden, keine Uhrzeit abstimmen und keine Nachricht schreiben. Trotzdem tauchen im eigenen Musikstrom immer wieder Spuren der anderen Person auf. Spannend war für die Forschenden auch, wie Menschen diese musikalischen „Spuren“ interpretieren. Ein unerwarteter Song kann Neugier auslösen:
Warum hört sie gerade dieses Lied?
Ist er vielleicht in einer bestimmten Stimmung?

Musik wird dadurch zu einer indirekten Form der Kommunikation. Sie sagt nichts direkt aus, lässt aber Raum für eigene Interpretationen. Die Forschenden beobachteten in ihrer Studie, dass Teilnehmende über die Musik der anderen nachdachten und versuchten zu verstehen, warum bestimmte Songs für sie wichtig sind. Dadurch entstand nicht nur musikalische Neugier, sondern auch ein besseres Verständnis für die anderen Personen und ihren Alltag.

 

Unser Fazit

Viele digitale Angebote setzen auf ständige Interaktion, auf Chatnachrichten, Likes, Live-Streams oder sofortige Reaktionen. Beziehungen bestehen jedoch nicht nur aus aktiven Gesprächen. Verbundenheit entsteht oft durch gemeinsame Routinen im Alltag. Der „Queue Player“ zeigt, dass digitale Nähe nicht laut, schnell oder synchron sein muss. Statt auf Live-Momente zu setzen, ermöglicht das Projekt eine ruhige, kontinuierliche Verbindung über Musik, die sich selbstverständlich in den Alltag einfügt. Dabei wird deutlich: Technologie kann Beziehungen besonders dann stärken, wenn sie bestehende Gewohnheiten unterstützt, anstatt zusätzliche Aufmerksamkeit zu verlangen. Der „Queue Player“ ersetzt keine Gespräche, sondern schafft natürliche Anlässe dafür  und erinnert daran, dass Nähe häufig im Hintergrund wächst.

 

Mehr Informationen findest du im wissenschaftlichen Artikel .

Vorschaubild: Samann Pinder, William Odom, Minyoung Yoo, Ayush Misra, Henry Lin, Carman Neustaedter- Queue Player