Fünf Designkonzepte für mehr Verbundenheit von Studierenden

Wie können Technologien dabei helfen, sich auch über räumliche Distanz hinweg nah zu fühlen? Im Blockpraktikum Experience Design an der LMU München entwickelten Studierende fünf innovative Konzepte, die neue Formen der zwischenmenschlichen Verbundenheit ermöglichen sollen – von handgeschriebenen digitalen Briefen bis hin zu gemeinsamen Ritualen oder sensorischen Signalen. Eine begleitende Studie zeigt, welche Ideen besonders gut ankommen und welche Herausforderungen beim Design solcher Technologien entstehen.

Alle Fotos: LMU

Räumliche Distanz gehört für viele Menschen zum Alltag – sei es durch Studium, Arbeit oder familiäre Lebenssituationen. Digitale Kommunikation hilft zwar, miteinander in Kontakt zu bleiben, doch klassische Technologien wie Messenger, Telefon oder Videochat sind vor allem auf den Austausch von Informationen ausgelegt. Das Gefühl von emotionaler Nähe entsteht dabei nicht immer automatisch.

In der Forschung werden deshalb sogenannte Relatedness Technologies – oder auf deutsch Verbundenheitstechnik untersucht – Technik, die gezielt darauf ausgelegt ist, zwischenmenschliche Verbundenheit zu unterstützen.

Im Wintersemester 2024/25 entwickelten Studierende der Medieninformatik im Blockpraktikum Experience Design an der LMU München fünf solche Produktkonzepte. Die Ideen wurden anschließend in einer Studie mit 221 Teilnehmenden untersucht, um herauszufinden, wie sie wahrgenommen werden und welche psychologischen Bedürfnisse sie adressieren.

WriteAway – persönliche Briefe neu gedacht

WriteAway ist ein digitaler Briefkasten, der handgeschriebene Nachrichten über Distanz ermöglicht. Nutzerinnen und Nutzer schreiben ihre Botschaft mit einem digitalen Stift auf ein integriertes Display. Über eine App wird der Brief an einen verbundenen WriteAway-Briefkasten gesendet, wo er automatisch auf Papier ausgedruckt wird. Eine kleine Fahne signalisiert den Eingang einer neuen Nachricht.

Die Idee kombiniert die Schnelligkeit digitaler Kommunikation mit der persönlichen Wirkung eines handgeschriebenen Briefs. In der Studie wurde WriteAway besonders positiv bewertet: Teilnehmende schätzten vor allem die persönliche Note sowie die positiven Emotionen beim Empfang eines Briefes.

Tonsor – Geschichten und Erinnerungen teilen

Tonsor ist ein Würfel, der das Teilen persönlicher Geschichten ermöglicht. Durch Drehen des Würfels wird eine bestimmte Person ausgewählt, anschließend kann eine Geschichte direkt aufgenommen werden.

Das System wandelt die Aufnahme automatisch in Text um und sendet sie an eine App, in der die Geschichten als Audio oder Text in einer Timeline erscheinen. So entsteht nach und nach eine Sammlung persönlicher Erinnerungen. Besonders interessant erschien dieses Konzept für Familien – etwa wenn Großeltern ihre Lebensgeschichten mit jüngeren Generationen teilen möchten.

 

BeamTogether – gemeinsame Momente als Ritual

BeamTogether besteht aus zwei synchronisierten Sunset-Lampen mit integrierten Lautsprechern. Einmal pro Woche beginnt die Lampe zu einer vorher festgelegten Zeit sanft zu leuchten und signalisiert einen gemeinsamen Moment.

Beide Personen legen ihr Smartphone auf die Lampe, wodurch das Gespräch automatisch startet. Währenddessen simuliert das Licht einen Sonnenuntergang. Die Gestaltung soll eine ruhige und ablenkungsfreie Atmosphäre schaffen und regelmäßige Gespräche als gemeinsames Ritual etablieren.

ScentConnect – Verbindung über den Geruchssinn

ScentConnect nutzt eine eher ungewöhnliche Form der Kommunikation: den Geruchssinn. Zwei gekoppelte Duftspender geben den Lieblingsduft der jeweils anderen Person frei, sobald eine Bewegung erkannt wird.

Da Gerüche eng mit Emotionen und Erinnerungen verbunden sind, kann der vertraute Duft einer nahestehenden Person ein Gefühl von Nähe vermitteln – auch über räumliche Distanz hinweg.

CoCo – ein Kuscheltier mit vertrauter Stimme

CoCo besteht aus einem Schlüsselanhänger und einem Kuscheltier. Über den Schlüsselanhänger können persönliche Sprachnachrichten aufgenommen werden – etwa eine Gute-Nacht-Geschichte, ein Schlaflied oder eine aufmunternde Botschaft.

Sobald eine neue Nachricht ankommt, leuchtet ein LED-Herz im Kuscheltier auf. Wird es berührt, spielt der Teddy die vertraute Stimme der anderen Person ab. Besonders für Kinder kann CoCo in Momenten der Trennung ein Gefühl von Sicherheit und Nähe vermitteln.

Was entscheidet darüber, ob solche Technologien genutzt werden?

Die Studie zeigt: Ob Menschen solche Technologien tatsächlich nutzen möchten, hängt stark davon ab, wie gut sie grundlegende psychologische Bedürfnisse erfüllen. Neben dem Bedürfnis nach Verbundenheit spielen dabei auch Aspekte wie Autonomie, Sicherheit oder Bedeutung eine Rolle. Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung: Je stärker eine Technologie insgesamt psychologische Bedürfnisse erfüllt, desto höher ist die Nutzungsabsicht. Besonders gut schnitten Konzepte ab, die persönliche Ausdrucksmöglichkeiten ermöglichen – etwa das Schreiben von Briefen oder das Teilen von Geschichten. Technologien, die stärker automatisierte oder indirekte Signale nutzen, wurden dagegen teilweise kritischer bewertet.

Neue Perspektiven auf digitale Verbundenheit

Die fünf entwickelten Prototypen zeigen, wie vielfältig Technologien gestaltet werden können, um Nähe über Distanz zu unterstützen: durch Rituale, durch persönliche Botschaften oder durch sensorische Erfahrungen wie Duft oder Stimme.

Gleichzeitig machen die Ergebnisse deutlich, dass solche Technologien nicht als Ersatz für persönliche Begegnungen gedacht sind. Vielmehr können sie Beziehungen ergänzen und neue Formen der Verbundenheit ermöglichen – besonders dann, wenn Menschen räumlich getrennt sind.

Weitere Informationen zum Blockpraktikum und zu den entwickelten Konzepten finden sich hier.