Virtuell vereint – mit VR Gefängnismauern überwinden

Wenn Mauern Nähe verhindern, kann Technologie Brücken bauen. Heute stellen wir eine innovative Idee vor wie Kinder und ihre inhaftierten Väter mithilfe von Virtual Reality (VR) gemeinsame schöne Momente der Nähe erleben können.

 

„Ich dachte, ich wäre im Wald mit ihr. Für zehn Minuten war ich nicht im Gefängnis“, erzählt einer der Väter.

 

Zwischen Sehnsucht und Stille

Für Kinder, deren Vater im Gefängnis sitzt, bedeutet der Alltag eine ständige Form von Abwesenheit. Besuche sind selten, kurz und finden in kargen Räumen unter Aufsicht statt. Kein Platz für Bewegung, kein Raum für Spiel. Das Gespräch bleibt oft oberflächlich – ein Austausch über Schulnoten, über „alles gut?“ und „halt durch“.

Was aber fehlt, ist das Selbstverständliche: das gemeinsame Lachen, das Spielen, eine Umarmung.

Ein Besuch, der Grenzen überwindet

Im Forschungsprojekt haben Wissenschaftler:innender Universität Duisburg-Essen untersucht, ob virtuelle Realität diese Form der Distanz überbrücken kann. Dazu entwickelten sie eine eigene VR-Anwendung: Vater und Kind setzen Headsets auf und begegnen sich als Avatare in einer bunten, offenen Welt – zwischen Wald, Strand und Fantasielandschaft.

Sie trommeln gemeinsam, spielen Basketball oder schicken eine Flaschenpost voller Wünsche auf eine virtuelle Reise übers MeerIn einer Pilotstudie mit vier Vater-Kind-Paaren zeigte sich, dass sich die Kinder ihren Vätern nah fühlten, obwohl sie sich nicht berühren konnten. Die Väter erlebten Freude und Verbindung, auch wenn sie den physischen Kontakt vermissten. Alle Beteiligten wünschten sich, virtuelle Besuche zusätzlich zu realen Treffen anbieten zu können.

Ein Kind fasste es so zusammen: „In der virtuellen Welt konnte ich mit Papa spielen. Wir waren zusammen am Strand.“

Die spielerische Umgebung schuf, was im realen Besucherraum kaum möglich ist: Leichtigkeit, Spontaneität und Nähe. Einer VR-Anwendung wurde hier dazu genutzt Räume zu schaffen, in denen sich Menschen begegnen können, die das im realen Leben nicht tun können. Jenseits der tristen Gefängnisrealität bietet diese Anwendung Kindern und Vätern eine Möglichkeit virtuell das zu tun, was möglich wäre, wenn die Väter nicht inhaftiert wären. Die Forschenden betonen, dass solche digitalen Erlebnisse keine echten Besuche ersetzen, aber eine wertvolle Ergänzung sein können. Sie ermöglichen, was für Kinder so wichtig ist: das Gefühl, Zeit mit ihrem Vater zu teilen.

Unser Fazit

Dieses besondere Forschungsprojekt zeigt ein eindrückliches Beispiel für soziale Innovation. Es genügt einen einfache VR-Brille, ein virtueller Strand oder Wald, um Menschen, die sich vermissen, die Möglichkeit zu geben sich gemeinsam in einem anderen Kontext zu begegnen. Einen schönen Ort jenseits der Gefängnismauern, um Zeit miteinander zu verbringen und Dinge zu tun, die für Kinder, deren Väter nicht im Gefängnis sind, ganz alltäglich sind.

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