Erst lesen, wenn …

Eine Botschaft für besondere Situationen

Es gibt Situationen, in denen man gerne für einen Herzensmenschen da wäre, aber es ist nicht immer möglich, vor Ort zu sein. Warum also nicht im Voraus Briefe schreiben? Kleine Nachrichten, die darauf warten, gelesen zu werden, wenn sie gebraucht werden.

 

Die Idee: Eine kleine Sammlung von Nachrichten für die Zukunft

Schreibe einen Brief an die Person, die dir am Herzen liegt. Nicht zum sofort Öffnen, sondern für später, wenn die richtige Situation gekommen ist. Ein Brief für Momente mit Heimweh. Einer für Situationen, in denen es etwas zu feiern gibt. Wenn man eine kleine Aufmunterung braucht oder aber Lust auf eine witzige Geschichte hat.

Schon das Antizipieren passender Situationen ist eine schöne Möglichkeit, um sich in die andere Person hineinzuversetzen. Man kann sich überlegen, wann eine Nachricht willkommen ist und wann Nähe und Zuspruch guttun. Aber auch, was man der anderen Person in besonderen Situationen gerne sagen möchte. Genauso schön ist es, eine Sammlung von Briefen zu haben, die man bei Bedarf öffnen kann und die Nähe spenden.

 

 

Und so geht’s:

 

1. Überlege dir “Wenn …”-Momente

Versetze dich in die andere Person hinein und überlege, in welchen Situationen und bei welchen emotionalen Momenten Trost, Freude oder Nähe gut tun würden. Überlege, für welche Momente du gerne etwas für die andere Person schreiben möchtest. Du kannst mit typischen Gefühlen starten: „Wenn du glücklich bist” oder „wenn du mal traurig bist”. Vielleicht gibt es aber auch ungewöhnliche Momente: „Wenn es regnet” oder „wenn du das erste Weihnachtslied hörst”.

 

2. Wähle das Medium

Du hast Lust ganz altmodisch Briefe zu schreiben? Dann nutze Briefpapier und Füller. Du zeichnest lieber Comics? Dann los! Du magst es lieber digital? Dann erstelle deine Briefe doch einfach als Dokumente mit einem Textverarbeitungsprogramm.

 

3. Schreib einfach los
Schreibe, was du sagen würdest, wenn du bei der anderen Person wärst. Erzähle von einer Erinnerung oder ermutige die andere Person. Denk dir eine kleine Geschichte aus. Es muss nicht perfekt sein. Es kann ein kurzer Satz sein oder zwei Seiten mit vielen Gedanken. Mach es genau so, wie es sich für dich richtig anfühlt. Und lieber nicht mit Hilfe von KI.

 

4. Bündle die “Erst lesen, wenn …”-Briefe an einem Ort
Wenn es richtige Briefe sind, beschrifte die Umschläge, z. B. „Öffnen, wenn du mich vermisst“, bei Dateien, nutzen die Dateibenennung. Du kannst die Briefe als Bündel übergeben oder auch nach und nach übermitteln. So wie du magst und wie es für euch gut passt. Die digitalen Briefe kannst du zum Beispiel auch in einem Ordner ablegen, auf den die andere Person Zugriff hat.

 

4. Lass es sich entwickeln.
Manche Briefe werden vielleicht erst nach Monaten gelesen, andere alle in derselben Woche. Manche werden vielleicht beantwortet oder führen zu neuen Briefen. Vielleicht hast du auch Ideen für neue Briefe für andere Situationen. Vielleicht entstehen daraus kleine Rituale, wie ein Briefbündel zum Geburtstag oder eine Mini-Briefbox als Überraschung. Folge dabei keinem festen Plan, sondern deinem Gefühl. Es gibt kein Richtig oder Falsch, nur das, was euch einander näherbringt.

 

Tipp: Falls du handschriftliche Briefe schreibst, kannst du kleine Dinge hinzufügen: eine gepresste Blume oder eine Zeichnung, ein bisschen Sand. Aber auch bei den digitalen Briefen lässt sich ein Foto einbauen.

 

Zielgruppe: Familien, Paare
Art: Digitaler Austausch
Zeitlicher Aufwand: Mittel
Schwierigkeitsgrad: Einfach
Materialien: Computer, Smartphone oder handgeschriebene Briefe

 

Was sagen Leute, die es schon ausprobiert haben?

 

„Ich habe diese Idee gemeinsam mit meinem Vater ausprobiert. Anfangs wirkte es wie ein Experiment: Können Worte aus der Vergangenheit später Trost spenden? Doch nach und nach entstand ein ruhiger, tiefer Austausch. Wir teilten Erinnerungen, schrieben uns gegenseitig kleine Ermutigungen und fanden Worte, die sonst vielleicht unausgesprochen geblieben wären.
Mit der Zeit wurde daraus eine Art Rückzugsort, etwas, was wir immer wieder aufsuchen konnten, über Zeitzonen Phasen ohne viel Kontakt hinweg. Es wurde zu unserer besonderen Art, verbunden zu bleiben, auch wenn wir weit entfernt waren.
Die Briefe haben mir gezeigt, dass mein Vater an mich gedacht hat. Schon im voraus. Dass er für Momente gesorgt hat, von denen er nicht wissen konnte, dass sie kommen.“

K., Siegen

 

Du hast Erst lesen, wenn … auch ausprobiert und möchtest deine Erfahrungen mit uns teilen? Dann schreib uns!

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