Abschlussveranstaltung in München
Am 28. und 29.01.2026 trafen sich alle zehn Anwendungsprojekte und das Begleitforschungsprojekt VEREINT in München, um die Ergebnisse der dreijährigen Förderphase vorzustellen, gemeinsam zu diskutieren und Perspektiven für Transfer und Weiterarbeit auszuloten.
Austausch zum Auftakt
Den Auftakt bildete ein Get-together am Vorabend, zu dem die Ludwig-Maximilians-Universität München eingeladen hatte. In den Räumlichkeiten des Lehrstuhls für Psychologie von Prof. Dr. Sarah Diefenbach stand bei Getränken und einem informellen Rahmen vor allem der persönliche Austausch zwischen den rund 80 angereisten Projektbeteiligten im Vordergrund.
Projektergebnisse und übergreifende Fragestellungen
Der eigentliche Veranstaltungstag begann im Tageszentrum Kolpinghaus mit der Begrüßung durch Dr. Katja Karrer-Gauß (VDI/VDE-IT) sowie Prof. Dr. Marc Hassenzahl (Konsortialführer des Begleitforschungsprojekts VEREINT, Universität Siegen). Anschließend präsentierten die Anwendungsprojekte ihre entwickelten Technologien zur Förderung von Verbundenheit über Distanz. Neben den jeweiligen Lösungsansätzen wurden insbesondere Herausforderungen in der Umsetzung, Fragen der Evaluation sowie erste Erfahrungen mit Transfer und Verstetigung thematisiert.
Mini Science Fair: Technologien erleben
Im Anschluss bot eine „Mini Science Fair“ den rund 80 Teilnehmenden die Möglichkeit, die unterschiedlichen Technologien praktisch zu erkunden und auszuprobieren. Die Bandbreite der Ansätze spiegelte die technologieoffene Ausrichtung des Calls wider: von Virtual-Reality-Anwendungen (GROOVE und Spielend) und Telepräsenzrobotern (TeleVeRbundenheit) über smarte Textilien und haptische Interfaces (TouchText, HILDE, ToCaro, Bitplush) bis hin zu eigens entwickelten Systemen im Bereich Smart Home (Miteinander, VREUNDE) und einer Community-App (Depribuddy).
Gerade diese Vielfalt machte den Call für die Begleitforschung besonders. Design, Akzeptanz, Wirkung sowie ethische Fragestellungen konnten nicht nur in der Tiefe einzelner Projekte, sondern auch vergleichend über sehr unterschiedliche technologische Ansätze hinweg betrachtet werden.
Ergebnisse der Begleitforschung VEREINT
Neben der Vernetzung der Projekte durch drei Vernetzungsveranstaltungen und insgesamt 19 Forschungswerkstätten wurden gemeinsame empirische Grundlagen erarbeitet. Dazu zählen neben den wissenschaftlichen Publikationen unter anderem: die öffentlich zugängliche Datenbank CORE mit mittlerweile über 300 systematisch erfassten Konzepten und Prototypen für Verbundenheitstechnologien, eine strukturierte Sammlung relevanter psychologischer Konstrukte und Messinstrumente, ein validiertes Messinstrument zur Erfassung der Wirkung von Verbundenheitstechnologien, ein weiteres validiertes Instrument zur bedürfnisbezogenen Akzeptanz, ein Kartenset zur Unterstützung von Wissenschaftskommunikation für die Forschungsgemeinschaft, sowie die Plattform näheüberdistanz.de, die Bürger:innen niedrigschwellige Ideen zur Förderung von Verbundenheit im Alltag bereitstellt.
Reflexion im Podium
Den Abschluss bildete eine Podiumsdiskussion mit den Vertreter:innen der Anwendungsprojekte sowie den externen Gästen Dr. Daniel Ullrich (Media Informatics Group, LMU München) und Prof. Dr. Peter Zentel (Lehrstuhl für Pädagogik bei geistiger Behinderung einschließlich inklusiver Pädagogik, LMU München). Moderiert wurde die Diskussion von Prof. Dr. Sarah Diefenbach und Prof. Dr. Marc Hassenzahl.

Ein zentraler Konsens bestand darin, dass die besondere Stärke des Calls in seiner konsequenten Menschenzentrierung lag: Nicht die Technologie um ihrer selbst willen, sondern das Erleben von Nähe und Verbundenheit bildete den Ausgangspunkt. Zugleich wurde kritisch diskutiert, welche Rolle solche Ansätze in der zukünftigen forschungs- und innovationspolitischen Landschaft spielen.
Ebenfalls diskutiert wurde die Frage, inwieweit technologische Systeme die gleiche Nähe wie persönliche Begegnungen erzeugen können. Auch wenn viele Anwendungen besondere Verbundenheitserlebnisse über Distanz ermöglichen – etwa durch gemeinsames Spielen in virtuellen Räumen, geteilte Erkundungen, niedrigschwellige haptische Interaktionen oder durch soziale Unterstützung in belastenden Lebensphasen, bleibt der Unterschied zu körperlich-ko-präsenten Begegnungen bestehen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer weitergehenden gesellschaftlichen und ethischen Auseinandersetzung mit den langfristigen Auswirkungen solcher Technologien auf Beziehungen und soziale Praktiken.
Ausblick
Insgesamt markierte die Veranstaltung einen gelungenen Abschluss eines thematisch wie methodisch anspruchsvollen Calls – und zugleich einen Ausgangspunkt für weitere Forschung zu Nähe und Verbundenheit in einer digital vermittelten Gesellschaft.
Alle Fotos und Film: Universität Siegen























