Messaging Kettle: Nähe durch alltägliche Routinen
In vielen Familien gehört eine gemeinsame Tasse Tee oder Kaffee zum festen Alltag. Wasser aufkochen, kurz warten, einschenken, oft passiert das mehrmals am Tag ganz automatisch. Das Projekt „Messaging Kettle“ untersucht, wie solche vertrauten Routinen dabei helfen können, Nähe zwischen Menschen herzustellen, die nicht im selben Haushalt leben.

Alle Bilderquellen: Aloha Hufana Ambe, Alessandro Soro, Daniel M Johnson, Margot F Brereton – Messaging Kettle
Was ist die Idee?
Die Idee hinter „Messaging Kettle“ ist einfach: Alltägliche Handlungen sollen Verbindung schaffen, ohne dass dafür zusätzliche Kommunikation nötig ist. Statt neue Geräte oder komplexe Apps einzuführen, setzt das Projekt auf einen Gegenstand, der fester Bestandteil des Alltags ist, den Wasserkocher. Wenn zwei Menschen räumlich getrennt leben, verlieren sie oft den Überblick über den Tagesrhythmus der anderen Person. Telefonate oder Nachrichten müssen bewusst initiiert werden und passen nicht immer in den Alltag. „Messaging Kettle“ geht einen anderen Weg und nutzt eine wiederkehrende Routine, um unaufdringlich Präsenz zu zeigen. Das Ziel ist dabei nicht, Informationen auszutauschen oder Gespräche zu ersetzen. Vielmehr soll ein leises Zeichen des Alltags entstehen: Die andere Person ist da, beschäftigt sich gerade mit etwas Alltäglichem und ist Teil eines ähnlichen Moments.
Die beiden Hauptkomponenten des Messaging Kettle: Kettle Mate (links) und Smart Tea Box (rechts)- Messaging Kettle
Wie funktioniert das?
Das „Messaging Kettle“-System verbindet zwei Haushalte miteinander und besteht aus zwei Hauptteilen: einem Sensor-Gerät am Wasserkocher und einer Nachrichtenbox. Beide Komponenten sind so gestaltet, dass sie sich unauffällig in den Küchenalltag einfügen. Sobald in einem Haushalt Wasser aufgekocht wird, erkennt ein Sensor die Hitze des Wasserkochers. Diese Information wird an das verbundene Gerät im anderen Haushalt übertragen. Dort beginnt das Gerät sanft zu leuchten und zeigt an, dass die andere Person gerade ihren Wasserkocher benutzt. Es handelt sich dabei nicht um eine direkte Nachricht, sondern um einen stillen Hinweis auf eine alltägliche Handlung. Zusätzlich können kurze Sprach- oder handschriftliche Nachrichten ausgetauscht werden. Diese werden über eine kleine Nachrichtenbox verschickt, die ebenfalls in der Küche steht. Die Bedienung ist bewusst einfach gehalten, sodass keine technischen Vorkenntnisse nötig sind. Wichtig ist: Das System ist nicht für schnelle Antworten gedacht. Die Signale und Nachrichten kommen zeitversetzt an und sollen keinen Druck erzeugen. Stattdessen unterstützt „Messaging Kettle“ eine langsame, ruhige Form der Verbindung, die sich an den bestehenden Alltagsroutinen orientiert und diese ergänzt.
Warum fanden die Erfinder*innen das so spannend?
Für die Erfinderinnen war besonders interessant, wie sich die Nutzung des Systems über längere Zeit entwickelte. Viele technische Prototypen werden nur kurz ausprobiert und danach kaum noch genutzt. Beim „Messaging Kettle“ zeigte sich jedoch, dass mehrere Teilnehmerinnen das System über Monate und sogar Jahre hinweg in ihren Alltag integrierten. Spannend war außerdem, wie sich gemeinsame Gewohnheiten entwickelten. Die Beteiligten passten ihre Routinen nach und nach aneinander an – etwa indem sie zu ähnlichen Zeiten Tee kochten oder bewusst auf das Leuchten des Geräts achteten. Die Forschenden beschreiben diesen Prozess als collaborative habituation: eine gemeinsame Gewöhnung an die Technik, die nicht geplant ist, sondern sich im Alltag langsam herausbildet. Ein weiterer Punkt war, dass das System keine Gespräche ersetzen sollte, sondern etwas anderes ermöglichte: ein Gefühl von Alltagsnähe. Die Teilnehmenden berichteten, dass sie sich der anderen Person häufiger bewusst waren, selbst ohne Nachrichten oder Telefonate. Für die Erfinder*innen zeigte sich damit, dass kleine, unaufdringliche Signale ausreichen können, um Beziehungen über Distanz zu unterstützen, besonders dann, wenn sie an vertraute Routinen anknüpfen.
Unser Fazit
Das Projekt „Messaging Kettle“ zeigt, dass Nähe nicht immer durch Gespräche oder direkte Nachrichten entstehen muss. Stattdessen kann auch das Teilen alltäglicher Routinen dazu beitragen, dass sich Menschen miteinander verbunden fühlen. Die Langzeitstudie macht deutlich, dass Technologien dann besonders gut funktionieren, wenn sie sich unauffällig in den Alltag einfügen und bestehende Gewohnheiten aufgreifen, anstatt neue zu erzwingen. Beim Messaging Kettle steht nicht der Austausch von Informationen im Vordergrund, sondern das stille Wahrnehmen des Alltags der anderen Person. Damit liefert das Projekt wichtige Erkenntnisse für die Gestaltung von Technologien, die Beziehungen über Distanz unterstützen sollen: Weniger Kontrolle und Tempo, mehr Alltag und Gewöhnung.
Mehr Informationen findest du im wissenschaftlichen Artikel .
Vorschaubild: Aloha Hufana Ambe, Alessandro Soro, Daniel M Johnson, Margot F Brereton – Messaging Kettle