PlateMate – Gemeinsam kochen, auch auf Distanz

PlateMate ist ein spielerischer Ansatz, das gemeinsames Kochen auf Distanz ermöglicht, indem es von einem virtuellen Haustier namens Kinny begleitet wird. Dank strukturierter Aufgaben und kleiner Impulse wird das Kochen zu einem gemeinsamen Ritual, das Nähe schafft – selbst wenn man weit voneinander entfernt lebt.

Foto von Jonathan Greenaway auf Unsplash

 

Was ist PlateMate?

Dass Essen weit mehr als nur Nahrungsaufnahme ist, zeigt sich seit vielen Jahren in der HCI-Forschung. Konzepte wie „Eating Alone Together”, „CoDine”, „Telematic Dinner Party”, „KIZUNA” oder „Performance Apron & Talking Bottle” beschäftigen sich damit, wie Mahlzeiten als soziale Praktiken technisch vermittelt werden können.

PlateMate reiht sich in diese Forschungstradition ein, verfolgt jedoch einen rein App-basierten Ansatz: Sie verbindet gemeinsames Kochen mit einem strukturierten, spielerischen Prozess. Die App wurde von Forschenden aus den USA und Australien entwickelt. Ein virtuelles Haustier namens Kinny begleitet die beiden Nutzer:innen durch den gesamten Kochprozess und hilft dabei, ein gemeinsames Erlebnis über Distanz zu ermöglichen.

 

Wie funktioniert das?

Zu Beginn wählt PlateMate ein Rezept für die Woche aus. Beide Partner:innen erhalten die gleichen Schritte: Zutaten vorbereiten, Kochen, Fotos und Kommentare austauschen, Erinnerungen festhalten.

Für abgeschlossene Aufgaben gibt es „Karotten“, mit denen das gemeinsame Haustier Kinny gefüttert wird. Es sendet Hinweise („Ich bin hungrig – was gibt’s heute?“), feiert Fortschritte und erinnert an ausstehende Schritte.

Alles funktioniert asynchron – beide kochen in ihrem eigenen Tempo und dennoch entsteht ein gemeinsamer Handlungverlauf.

 

Was ist das Besondere daran?

Die zweiwöchige Studie mit 14 Teilnehmenden zeigte, dass PlateMate dabei hilft, die oft schwierige Initiierung gemeinsamer Aktivitäten auf Distanz zu vereinfachen. Es verwandelt das alltägliche Kochen in ein gemeinsames Ritual, das Orientierung und Verbundenheit bietet. Darüber hinaus werden Gespräche angeregt, die über die App hinausreichen, beispielsweise über Geschmack, Kochtipps, Essgewohnheiten und Erlebnisse.

Die App übernimmt die Aufgaben der sogenannten „Kinkeeper-Rolle“, also der Person, die sonst die Beziehungsarbeit leistet, indem Kinny erinnert und motiviert.

Nicht das gemeinsame Essen steht im Mittelpunkt, sondern das gemeinsame Tun: das Vorbereiten, Ausprobieren und Dokumentieren.

 

Unser Fazit

PlateMate zeigt, wie strukturierte digitale Impulse dabei helfen können, alltägliche Aktivitäten in gemeinsame Erlebnisse zu verwandeln – insbesondere über Distanz hinweg. Gleichzeitig bleibt offen, ob dieser Effekt langfristig anhält. Die Studie dauerte nur zwei Wochen. Das ist zu kurz, um belastbar zu beurteilen, ob sich tatsächlich ein dauerhaftes Ritual etabliert oder die anfängliche Motivation im Alltag nachlässt.

Die Rolle des virtuellen Haustiers Kinny ist durchaus ambivalent: Einerseits wurden die spielerischen Erinnerungen in vielen Fällen als hilfreich empfunden, andererseits zeigen einzelne Rückmeldungen, dass monotone oder unpassende Hinweise schnell als „zu viel“ oder störend empfunden werden können.

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